Kategorie | Jeep

75 Jahre Jeep Geschichte

Geschrieben am 13 Januar 2016 by andy

Die Geschichte von Jeep und damit die Geschichte aller Geländewagen und SUV begann – völlig unbeabsichtigt – als es beides noch gar nicht gab. Im Juli 1940 informierte das U.S. Militär die amerikanischen Automobilhersteller über seinen Bedarf für ein „leichtes Aufklärungsfahrzeug“ als Ersatz für das damalige Armee-Motorrad und die modifizierten Ford Model-T Fahrzeuge. Die Armee lud 135 Hersteller ein, sich um die Produktion zu bewerben und entwickelte eine umfangreiche Liste an Spezifikationen, die das neue Fahrzeug erfüllen sollte. Unter anderem sollte das leichte Aufklärungsfahrzeug folgende Eigenschaften besitzen:

  • mindestens 275 Kilogramm Nutzlast
  • Radstand weniger als 190 Zentimeter
  • Höhe weniger als 91 Zentimeter
  • von vier bis 80 Kilometer pro Stunde ruhig laufender Motor
  • rechteckige Karosserie
  • Vierradantrieb mit Geländeuntersetzung
  • umklappbare Frontscheibe
  • drei Einzelsitze
  • Fahr- und Verdunkelungsscheinwerfer
  • Leergewicht geringer als 590 Kilogramm
  • Spurweite höchstens 119 Zentimeter
  • Bodenfreiheit mindestens 16,5 Zentimeter

Zunächst waren die Hersteller Willys-Overland und American Bantam Car Manufacturing Company die einzigen Unternehmen, die den Aufruf beantworteten. Bald danach allerdings folgte auch die Ford Motor Company, und so begann der Wettlauf zwischen den dreien um den lukrativen Regierungsauftrag.

Jedes Unternehmen produzierte in der vorgeschriebenen Rekordzeit Prototypen zu Testzwecken. American Bantam’s Chefingenieur Karl Probst erarbeitete zusammen mit einem Team von leitenden Bantam-Mitarbeitern seine Konstruktion und lieferte innerhalb von nur 49 Tagen ein erstes Feldfahrzeug.

Delmar G. „Barney“ Roos, Willys-Overland’s Vice President of Engineering, konstruierte den Willys Quad. Ford entwickelte sein Model GP (Government contract „P“), bekannt als der „Pygmy“ (Pygmäe), das von einem modifizierten Motor eines Ford/Ferguson Traktors angetrieben wurde. Jedes Unternehmen lieferte seinen Prototypen noch im Sommer 1940 an die Armee und erhielt den Auftrag zum Bau von siebzig Musterfahrzeugen.

Es war im November 1940, als die Armee diese Fahrzeuge im Erprobungsgelände Camp Holabird, Maryland, USA, wenige Meilen südöstlich von Baltimore übernahm. Jede der drei Konstruktionen wog schwerer als die von der Armee geforderten 590 Kilogramm. Die Armee erkannte rasch, dass dieses Limit nicht zu erreichen war und erhöhte es für die nächste Runde von Fahrzeugen.

Die nächsten Verträge vergab die Armee im März 1941. Bantam sollte 1500 Exemplare seines Model 40 BRC (1940 Bantam Reconaissance Car) bauen, Ford fertigte 1500 modifizierte und verbesserte GP „Pygmies“ an und Willys lieferte 1500 Quads. Weitere Tests und Beurteilungen führten zur Auswahl von Willys als vorrangigem Hersteller des neuen Fahrzeugs.

Daraufhin wurden die meisten der produzierten Bantam 40 BRC und Ford GP als Bestandteil eines Leih- und Pachtprogramms nach Großbritannien und Russland verschifft. In Großbritannien wurde das Ford-Fahrzeug bekannt als das „Blitz Buggy.“

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Willys MA/MB

Etliche Modifikationen und Verbesserungen ließen den Prototypen Willys Quad schließlich zum Willys MA reifen, und später zum MB. Die Armee und die Welt aber sollten ihn kennen lernen als: der Jeep.

Einige sahen den Namen Jeep als Verschleifung der Buchstaben „GP,“ der Abkürzung für „General Purpose.“ Andere wiederum fanden den Ursprung bei „Eugene the Jeep“, einer damals sehr beliebten Fabel-Figur des Popeye-Comics, die mit magischen Fähigkeiten überall auf der Welt auftauchen konnte um Menschen zu helfen. Wieder andere identifizieren den Namen mit dem im Amerikanischen umgangssprachlich benutzten Ausdruck „jeep“ für einen Tausendsassa, der alles kann und alles irgendwie schafft. Wie auch immer: Der Name fand seinen Weg in das amerikanische Lexikon und dient bis heute als generische Bezeichnung für Geländewagen. Der Jeep selbst wurde durch seinen erfolgreichen Einsatz im zweiten Weltkrieg weltweit zu einer Ikone der Freiheit.

Der Willys MA hatte eine Lenkradschaltung, tiefe Einstiegsöffnungen in der Karosserie, zwei Rundinstrumente im Armaturenbrett und den Handbremshebel an der linken Seite des Fahrers. Willys bemühte sich, das Leergewicht auf die neue Armee-Spezifikation von 980 Kilogramm zu reduzieren. Was aus diesem Grund aus dem MA entfernt wurde, fand beim MB seinen Weg zurück ins Fahrzeug. Das Ergebnis war ein Leergewicht von lediglich 181 Kilogramm über Limit.

Willys-Overland sollte mehr als 368.000 Fahrzeuge bauen, während Ford in Lizenz etwa 277.000 Exemplare für die U.S. Armee herstellte. Das robuste, zuverlässige und ab Werk stets olivfarbene Fahrzeug wurde für immer dafür berühmt, beim erfolgreichen Abschluss des größten Krieges geholfen zu haben, den die Menschheit je erlebt hatte.

Willys nutzte den Namen „Jeep“ zum Kriegsende als Markennamen und arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits seit 18 Monaten an der zivilen Erweiterung der Modellpalette unter anderem um ein Geländefahrzeug für die Landwirtschaft – den „civilian Universal Jeep“. Einer von Willys‘ Slogans in dieser Zeit war: „The Sun Never Sets on the Mighty Jeep“ („Über dem mächtigen Jeep geht die Sonne nie unter“), womit sich das Unternehmen auf den weltbekannten Willys MB bezog, der rund um die Welt im Einsatz war.

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